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Themenicon: navigation pathFoto/Byteicon: navigation pathKontinuitšten und Differenzen
 
Tatorte (Sternfeld, Joel), 1996The Shadow (Der Schatten) (Calle, Sophie), 1981LíHŰtel (Calle, Sophie)
 
 
 

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einem Objekt zurückgeworfenen Lichtstrahlen auf einem mit Silbersalzkristallen lichtempfindlich gemachten Träger. Die fotografische Abbildung eines Objekts ist somit zugleich dessen Existenzbeweis, wenn auch bezogen auf einen bereits vergangenen Augenblick: »Es-ist-so-gewesen«, so lautet Roland Barthes’ Formel für die Beglaubigung einer vergangenen Präsenz, die für ihn das Wesen, das ›Noema‹, der Fotografie ausmacht. [9] Diese Eigenschaft prädestinierte die Fotografie natürlich in besonderem Maße für den Einsatz in der detektivischen Beobachtung und der kriminalistischen Spurensicherung – Einsätze, die in der künstlerischen Fotografie in vielfältiger Weise aufgegriffen wurden (beispielsweise »Tatorte« von Joel Sternfeld oder »The Shadow« und »l´Hôtel« von Sophie Calle). [10]

Auf diese physiko-chemisch basierte Indexikalität gründet sich das Realitätsversprechen der Fotografie [11] , das über die wirklichkeitsgetreue Abbildung hinausgeht: nämlich Wirklichkeit bezeugen zu können. Dabei bezieht sich die Indexikalität nur auf den »fotografischen Akt« [12] , den Moment der Bildauslösung – alle anderen Faktoren, die dem

 

fotografischen Bild Bedeutung zuweisen (Motivwahl, Inszenierung, Bearbeitung des Abzugs, materielle und diskursive Kontextualisierung), werden dabei ausgeblendet.

Technische Reproduzierbarkeit

Die Suche nach einem vereinfachten Verfahren zur Vervielfältigung von bereits existierenden Vorlagen stand in den proto-fotografischen Experimenten gleichberechtigt neben der Zielsetzung, Bilder der Camera obscura zu fixieren. Niépce beschäftigt sich schon in den 1820er Jahren mit der Übertragung von Stichen auf einen lichtempfindlichen Träger, der dann als Druckplatte dienen sollte. Talbot, dessen Positiv- Negativ-Verfahren die Voraussetzung für die prinzipiell unendliche Vervielfältigbarkeit von Fotografien lieferte, denkt ebenfalls an die Herstellung »preiswerter Kopien von seltenen Stichen beziehungsweise von Unikaten« [13] . Die Reproduktion von Kunstwerken und Denkmälern aus aller Welt avanciert tatsächlich zu einem der erfolgreichsten Zweige der Fotografie des 19. Jahrhunderts. Die sich daraus ergebenden

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